(1939–2010)
„Aus kleinen Fortschritten entstehen große Veränderungen.“
(Johanna Dohnal)
Johanna Dohnal wurde am 14. Februar 1939 in Wien geboren und wuchs unter einfachen Verhältnissen auf. Sie erlebte Armut, Ausgrenzung und die begrenzten Möglichkeiten, die Frauen damals offenstanden, aus nächster Nähe. Vielleicht gerade deshalb verlor sie nie den Blick für jene, die in unserer Gesellschaft benachteiligt werden.
Schon früh engagierte sich Johanna Dohnal in der Wiener Kommunalpolitik. Nach einigen Jahren der Berufstätigkeit als Industriekauffrau, wirkte sie 1969–1979 als Wiener Gemeinderätin.
1987 wurde sie Österreichs erste Frauenministerin – ein Amt, das sie bis 1995 innehatte. In dieser Zeit prägte sie die österreichische Frauenpolitik wie kaum eine andere Persönlichkeit. Sie starb am 20. Februar 2010 .
Warum Johanna Dohnal wichtig war
Johanna Dohnal hat Frauenpolitik nicht erfunden – aber sie hat sie in Österreich zu einem politischen Thema gemacht, an dem niemand mehr vorbeikam.
Viele Rechte, die heute selbstverständlich wirken, wurden in ihrer Amtszeit auf den Weg gebracht oder entscheidend vorangebracht: der Ausbau von Frauenhäusern, Gleichbehandlung am Arbeitsplatz, Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen, die stärkere gesellschaftliche Anerkennung von Care-Arbeit und eine Politik, die Frauen nicht länger als Randthema behandelte.
Dabei musste sie sich gegen Spott, Häme und offenen Sexismus behaupten. Wer heute alte Zeitungsberichte oder Fernsehdiskussionen sieht, staunt manchmal, mit welcher Selbstverständlichkeit männliche Politiker frauenfeindliche Bemerkungen machten. Johanna Dohnal ließ sich davon nicht einschüchtern. Sie blieb sachlich, hartnäckig und unbeirrbar.
Vielleicht war genau das ihre größte Stärke: Sie wollte nicht gefallen. Sie wollte etwas verändern.
Ihre Botschaft und ihr Vermächtnis
Johanna Dohnal verstand Gleichberechtigung nie als „Frauenthema“, sondern als Frage der Demokratie und der Gerechtigkeit. Sie wusste, dass gesellschaftlicher Wandel Zeit braucht – aber eben auch Menschen, die ihn hartnäckig vorantreiben.
Sie erinnerte immer wieder daran, dass Rechte nicht vom Himmel fallen. Sie werden erkämpft, verteidigt und manchmal auch gegen Widerstände bewahrt.
Gerade heute, in einer Zeit, in der alte Rollenbilder wieder erstaunlich modern erscheinen und Frauenrechte vielerorts erneut unter Druck geraten, lohnt sich der Blick auf ihr Vermächtnis.
Interessante Zitate
„Ich bin Feministin, weil ich Mensch bin.“
„Feminismus ist keine Kampfansage an Männer. Feminismus ist eine Kampfansage an Ungerechtigkeit.“
„Es gibt noch viel zu tun.“
Literatur und Quellen
- Johanna Dohnal: Innenleben. Österreichische Frauenpolitik.
- Maria Rösslhumer (Hrsg.): Johanna Dohnal – Auf dem Weg zur Gleichberechtigung.
- Dokumentarfilm Die Dohnal (2019)
- Johanna-Dohnal-Archiv
Warum Johanna Dohnal für mich eine „starke Frau“ ist:
Es gäbe viele Frauen, über die ich schreiben könnte. Frauen, die klug waren, mutig oder ihrer Zeit weit voraus. Aber wenn mich jemand fragt, wer meine persönliche Heldin ist, muss ich nicht lange überlegen.
Johanna Dohnal hat sich für Frauen starkgemacht, als das noch alles andere als selbstverständlich war. Sie musste sich dumme Sprüche anhören, wurde belächelt, verspottet und angegriffen. Nicht, weil ihre Argumente schlecht gewesen wären, sondern weil sie eine Frau war, die sich nicht damit zufriedengab, den Mund zu halten.
Was mich an ihr besonders beeindruckt, ist ihre Bodenständigkeit. Sie wusste immer, woher sie kam. Sie war keine Frau aus privilegierten Verhältnissen, die Gleichberechtigung aus sicherer Distanz diskutierte. Sie kannte die Lebensrealität vieler Frauen aus eigener Erfahrung. Vielleicht konnte sie deshalb so glaubwürdig für sie sprechen. Und sie hatte keine Vorurteile Frauen gegenüber, die eine andere politische Einstellung oder Lebensweise pflegten als sie selbst. Die gestandene Sozialdemokratin redete mit allen und hörte allen zu. – Auch den Vertreterinnen der EFA.
Wenn ich heute junge Frauen höre, die sagen: „Ich habe noch nie Sexismus erlebt“, freue ich mich zunächst für sie. Gleichzeitig denke ich an Frauen wie Johanna Dohnal. Denn dass manche heute diese Erfahrung nicht mehr machen müssen – oder sie zumindest seltener machen –, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe von Frauen, die sich nicht haben einschüchtern lassen.
Wir stehen auf den Schultern solcher Frauen. Das sollten wir nicht vergessen.
Gerti Rohrmoser