Hokuspokus, Hallelujah! 

Wunder? Da rollen Menschen heute gern einmal mit den Augen. Wasser in Wein, Sturmstillung, Heilungen, Auferstehung – das klingt für heutige Ohren schnell nach Märchen, Hokuspokus oder einem etwas zu großzügigen Umgang mit den Naturgesetzen.

Also: Muss man das alles glauben, um Christin zu sein?

Die kurze Antwort: Nein. Jedenfalls nicht in dem Sinn, dass man seinen Verstand an der Kirchentür abgeben müsste. Über Wunder wird in der Theologie seit jeher gestritten. Manche verstehen die biblischen Berichte als tatsächliches Eingreifen Gottes in die Natur. Andere lesen sie stärker symbolisch: als Geschichten darüber, dass sich etwas verändert, wo Menschen Gott erfahren – Angst verliert ihre Macht, Ausgegrenzte bekommen ihren Platz zurück, Hoffnung wird möglich, wo vorher keine war.

Ein Wunder ist in der Bibel jedenfalls mehr als bloß ein spektakulärer Zaubertrick nach dem Motto: Schaut her, was Gott alles kann! Es ist ein Zeichen. Es erzählt davon, wie die Welt sein könnte: Menschen werden heil, Hungernde satt, Ausgeschlossene gehören wieder dazu, selbst der Tod soll nicht das letzte Wort behalten.

Ob man glaubt, dass dabei Naturgesetze außer Kraft gesetzt wurden, ist eine Frage. Was diese Geschichten über Gott, Menschen und Hoffnung erzählen, eine andere. Und vielleicht muss man sich gar nicht vorschnell für eine Seite entscheiden. Man darf Wunder für historisch halten. Man darf sie symbolisch verstehen. Man darf sagen: „Keine Ahnung, was damals passiert ist – aber diese Geschichte lässt mich nicht los.“

Wer an Wunder glaubt, muss nicht leichtgläubig sein. Und wer an ihnen zweifelt, hat damit den christlichen Glauben noch lange nicht verlassen. Vielleicht kommt die spannendere Frage ohnehin erst danach: Womit rechnen wir eigentlich noch, wenn wir mit nichts Unverhofftem mehr rechnen?